Kann man heute vom Mythos der Frau sprechen? Wie wird ein solcher denn konstruiert? Bildet sich der Mythos der Frau heutzutage aus der Bilderflut heraus, wie er früher z.B. aus Meerschaum geboren wurde? Die ursprüngliche Deutung vom Mythos als erzählerische Verknüpfung von Ereignissen, hat heute ihren Schwerpunkt vielmehr in der Erzählung als Abfolge von Bildern. Ich untersuche, wie der Mythos der Frau durch Bilder geprägt wird und wie er in verschiedenen kulturellen Kreisen funktioniert. Als Künstlerin polnischer Herkunft, die seit Jahren in Deutschland lebt, realisiere ich das Projekt in der Türkei. Diese drei europäischen Länder präsentieren abweichende Auffassungen und Vorstellungen von der Rolle der Frau in der Gesellschaft. Ich versuche, einen Dialog zwischen verschiedenen Konstrukten von Weiblichkeit einzuleiten und untersuche, wie sie in verschiedenen kulturellen Realitäten aufgenommen und reflektiert werden. Im Vergleich zur verbalen Sprache prägen sich visuelle Bilder schneller ein und bleiben auch länger in unserem Gedächtnis. Sie führen aber so oft zu Verkürzungen, Stereotypisierungen, auf deren gefährlicher Grenze ich balancieren will. In meiner Arbeit fließen die visuelle und verbale Sprache zusammen. Bilder verführen uns, leiten auf Wege, die wir als Bildkonsumenten im Alltag fast automatisch verfolgen, während die Sprache mit ihnen nicht mithält und auf diese Art und Weise eine Diskrepanz in der Wahrnehmung sichtbar macht. Der Mythos ist ein Konstrukt, das sich in ephemeren Begegnungen mit unzähligen Medienbildern herauskristallisiert, wie es von Roland Barthes aufgefasst wurde. Das Projekt ist für mich Anlass, die um die Frau aufgeschichteten Mythen zu hinterfragen, die Deformierungen, Abwandlungen aufzudecken und nach der Identität, die dahinter versteckt ist zu fragen.
Drei Fragen, die jeweils fünf Frauen aus den Metropolen dreier Länder – Istanbul/Türkei, Berlin/Deutschland und Warschau/Polen – gestellt werden. Die Frauen sind zwischen 35 und 70 und haben verschiedene Berufe und soziale Hintergründe.
Die drei Fragen sind:
1. Beschreiben Sie, wir ihr Tag aussieht.
2. Welche unerfüllten Träume und Wünsche hegen Sie?
3. Was denken Sie über mitteleuropäische/türkische Frauen?
Im Rahmen des Projektes wird ein Videofilm und ein Fotobuch entstehen, um visuelle Antworten auf die Frage nach dem Mythos Frau zu finden. Mit der ersten Phase des Projektes in Istanbul habe ich bereits begonnen.