If Things Were Perfect

If Things Were Perfect
, Berlin/Istanbul 2009
Trailer: 8″
→ arbeiten/video

Berlin/Istanbul 2009
If Things Were Perfect If Things Were Perfect If Things Were Perfect If Things Were Perfect
video
Film-Dauer: 20″
Projektionsfläche (Textil) ca. 2,5×3m

Berlin/Istanbul 2009
Das Weben ist in der Geschichte immer mit der Frau und der Domäne des Häuslichen verbunden worden. Auch bei Homer scheinen Weben und Spinnen die Hauptbeschäftigungen der Frauen zu sein. Im künstlerischen Bereich soll in der Antike die Bildweberei sogar mit der Malerei konkurriert haben. In der Arbeit von Iwona Borkowska, die auch im Bereich der Textilgestaltung ausgebildet ist, wird das Fadensystem neu konstruiert. Im Stoff, dem die Künstlerin die Form einer Hausfassade verliehen hat, öffnet sie ein Fenster. Dieses Fenster ist eine Videoprojektion, in der die Künstlerin in einer Badewanne sitzend zu erkennen ist. Die Stoffoberfläche wird zu einer Bühne für ein Spiel von Lichtreflexen, die auf der Wasseroberfläche entstehen und beim längeren Anschauen einen meditativen Effekt hervorrufen. Dem Betrachter wird somit der Zugang zum Inneren des Hauses verschafft, die Möglichkeit Geschichten zu spinnen, die sich dort in der Sphäre des intimen domestikalen Heims abspielen. Die Künstlerin nimmt in dem Video eine Doppelrolle ein. Sie guckt sich an, indem sie gleichzeitig vor und hinter der Kamera steht. Der Betrachter sieht ihren Körper mit ihren Augen. Damit thematisiert Borkowska die kulturell geprägte Konstruktion des Blickes, das Verhältnis von Mann und Frau, in dem die Frau diejenige ist, die sich dem Mann präsentiert, während er zuschaut. Verfolgt man den kunstgeschichtlichen Faden weiter, kommt man zu der Assoziation mit dem Meisterwerk von Jaques-Louis David, »Der Tod des Marat«, das den in der Badewanne erstochenen Marat darstellt. Das Gemälde ist eine der berühmtesten Darstellungen der Ereignisse der französischen Revolution. In der Kreuzung der beiden Fäden – der Arbeit von David und Borkowska, kommt die Frage nach der Durchsetzung von verschiedenen Visionen der Realität auf, die in der Installation der Künstlerin in dem Titel »If Things Were Perfect« platonisch zum Ausklang kommt.
(Julia Wielgus)